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Douglas Reed Der grosse Plan der Anonymen
VIERTES BUCH Die blitzenden fünfziger Jahre 1950-
EPILOG Zehnmal April Nun gut. Die zehn nacheinanderfolgenden Aprils haben mich aus dem Keller des Lumpenhändlers in Wien auf ein Krankenbett in Natal gebracht. Ich stand gesund auf meinen Füßen, als ich zusah, wie Hitler in Oesterreich einbrach, und mich fragte, ob wohl „Jahrmarkt des Wahnsinns» jemals erscheinen werde. Jetzt, nachdem wir vom Rauch zum Qualm zurückgekehrt sind und ich mich mit meinem Rückgrat beschäftigen muß, frage ich mich genau wie vor zehn Jahren, ob es dem Drucker gelingen wird, dieses Buch herauszubringen, ehe es durch den Ablauf der Ereignisse bereits überholt ist. Für mich bleibt natürlich auch mit dem Wechsel der äußern Ereignisse das Grundthema das gleiche. Werde ich wohl im Jahre 1958 noch immer den unbelehrbar Blinden in die Augen springende Selbstverständlichkeiten aufzählen müssen? Unsere Rückenwirbel gelten uns zu sehr als Selbstverständlichkeiten. Unaufgefordert erfüllen sie uns jeden Wunsch. Sie verbeugen sich vor den Damen, krümmen sich, um deren Taschentücher aufzuheben, beugen sich über den Rudern, erstarren in ungemütlichen Winkeln und werden dafür in romantischen um so biegsamer und leisten uns jeden Tag neue Dienste. Wenn aber diese treuen Stützen einmal zusammenbrechen, nachdem sie in unserm Dienst alt geworden sind, dann bemerken wir erst, wie gänzlich wir von ihnen abhängen, wie hilflos wir ohne sie sind. Es ist ein demütigender Augenblick für einen Mann, wenn er feststellen muß, daß sein ergebener Diener, die Wirbelsäule, ihm im kurzen Zeitraum einer Sekunde gekündet hat. Das ist der Augenblick für ihn, zur Besinnung zu kommen; denn hier erhält er die beste Lektion seiner eigenen Bedeutungslosigkeit, seiner Gebrechlichkeit und seiner sterblichen Schwachheit. 345 Während ich in diesem Zustand die Fahnenahzüge meiner Gedanken lese, die ich letztes Jahr zu Papier gebracht habe, scheint mir der Zeitpunkt gekommen, falls nötig, meine übereilten oder leidenschaftlichen Urteile zu revidieren. Falls sie einem brüchigen Gehirn entsprungen waren, sollte mir jetzt mein brüchiger Rücken auf die Spur helfen. Als gewissenhafter Journalist freue ich mich festzustellen, daß ich keine Aenderungen machen will; daß mir die Umrisse des «Jahrmarkt des Wahnsinns» in der horizontalen Lage genau gleich wie in der vertikalen vorkommen und daß die Ereignisse, die ich voraussagte, als ich 1947 in Chelsea dieses Buch vorbereitet habe, jetzt, während ich die Fahnenabzüge an einem unerwarteten Ruheplatz in Südafrika im Jahre 1948 korrigiere, langsam eintreten. Falls es beim Schreiben des Buches vielleicht noch unklar war, so ist es jetzt unwiderlegbar klar geworden, daß die Angelegenheit unseres Planeten in den Händen von Disraelis „Leuten hinter den Kulissen“ liegen, die für ihre Zwecke einen Aufstand nach dem andern auslösen und jetzt die Bühne für die größte Erschütterung rüsten, die ihren wichtigsten Zielen dienen soll. Diese Tatsache wurde (wie ich es in meinem Buche vorausgesehen habe) im Benehmen des anonymen Komitees einiger auserwählter Beamter sichtbar, das seinen Sitz in einer New Yorker-Vorstadt hat und von allen, wovor uns Gott behüten möge, als „Vereinigte Nationen“ bezeichnet wird. Diese Körperschaft wurde gegründet, um die Wunden zu heilen, den Schaden wieder gutzumachen und das Unrecht des Krieges des 20. Jahrhunderts zu tilgen. Es hat nicht einmal versucht, etwas derartiges zu tun. Nach drei Jahren liegt Deutschland, das größte Land Europas, noch immer in Trümmern; bis heute sind keine Anzeichen dafür vorhanden, daß man es wieder auf die Füße stellen oder ihm Gerechtigkeit widerfahren lassen will. Der neue Angreifer, die asiatische Sowjetunion, streckt sich über halb Europa wie eine Riesenkröte. Würden sich die «Vereinigten Nationen» 346 wirklich einsetzen, dann würden diese Dinge wahrscheinlich nicht bestehen. Aber ganz im Gegenteil, es will scheinen, als wäre der Apparat dieses entlegenen Beamten-Komitees vollkommen in der Gewalt solcher Mächte, deren Ziele nichts mit der Gesundung Europas oder der Welt zu tun haben. Bis jetzt haben sich die „Vereinigten Nationen“ lediglich damit befaßt, einen neuen Krieg zu erklären, nicht Wunden zu heilen. Die gesamten Energien dieser fernen Komitee-Männer, angefangen mit dem Delegierten des großen Liberia und des ruhmvollen Haiti bis zu denen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, wurden dafür eingesetzt, im Interesse der zionistischen Juden einen Angriff auf die Araber in Palästina vorzubereiten, die sicher zu den friedlichsten Völkern der Welt gehören. Ich habe in diesem Buch schon gezeigt, wie dieser Apparat überwacht wird. In Amerika findet alle zwei Jahre entweder eine parlamentarische oder eine Präsidenten-Wahl statt. Die Stadt New York bildet den Schlüssel zum Erfolg in der Wahl und in New York sind die Juden der ausschlaggebende Faktor. Amerikanische Präsidenten und amerikanische Parteiführer (die sich wie Herr Baldwin davor fürchten, «eine Wahl zu verlieren») stehen auf diese Art unter unablässigem Druck. Amerika hat die stärkste Stimme in den „Vereinigten Nationen“, die sich passendenveise in Amerika befinden. Durch solche Methoden haben die beiden Weltkriege nicht etwa Frieden und Freiheit in Europa gebracht, sondern die „Teilung von Palästina“ und eine unmittelbare neue Kriegsdrohung in Arabien. Jetzt bleibt nur noch eins: daß die Vereinigten Staaten von Amerika, die sich so laut und völlig mit Recht über die sowjetischen Aggressionen in Europa beklagen, ihre amerikanischen Truppen schicken, um Palästina zu besetzen. Während ich gerade diese Fahnenahzüge korrigiere, teilt mir der Londoner Rundfunk mit, daß die „Vereinigten Staaten“ zwar niemals Truppen zur „gewaltamen Durchführung der Teilung“ nach Palästina 347 schicken werden, möglicherweise aber, «um die Ordnung wieder herzustellen». Ergo. Wer die Anwesenheit amerikanischer Truppen in Palästina wünscht, muß für Unordnung besorgt sein (so wie die Nazis den Reichstag in Brand steckten). Ich empfehle meinen Lesern, alle Nachrichten von neuen Explosionen und Morden in Palästina und Arabien in diesem Lichte zu betrachten. Wir nähern uns ganz deutlich dem größten Umsturz aller Zeiten, und dieser wird in New York fabriziert. Wer sich mit biblischen Prophezeiungen abgibt (ich persönlich beschränke mich auf politische Voraussagen), kann sich damit unterhalten, diejenigen über die Schlacht in den Ebenen von Armageddon in Palästina zu lesen, welche als entscheidender Endkampf bezeichnet wird. In einer der dort eingesetzten gewaltigen Armeen (die glauben, für ihre eigenen Ziele zu kämpfen, in Wirklichkeit aber durch die Macht des Teufels geleitet werden) sehen sie vielleicht die amerikanischen Soldaten, über deren Häuptern heute die Drohung einer solchen Expedition schwebt. Ein entscheidender Augenblick steht deutlich bevor. Durch die Willfährigkeit der nicht-jüdischen Politiker unserer Generation überschatten heute die palästinensischen Angelegenheiten die ganze Zukunft: Endlich ist der Neger in seiner ganzen Größe aus der Scheiterbeige des zwanzigsten Jahrhunderts aufgetaucht. Mag sein, daß sich die Juden einem ebenso großen Erfolge nähern wie vor 1948 Jahren (denn die Verurteilung des Nazareners muß damals, trotzdem er ihnen in der Zukunft kein Glück brachte, wie ein großer Erfolg ausgesehen haben). Die nicht-jüdischen Politiker des Jahres 1948, die es zuließen, daß das zum Hauptanliegen der «Vereinigten Nationen» wurde, sind noch schwächere Männer als Pontius Pilatus einer war. In den Jahren, die dem Zweiten Weltkrieg folgten, gab es nur etwas Gutes, denn diese Jahre an sich waren übler als die dreißiger Jahre: der plötzliche Rückzug der britischen Regierung von jeder weiteren Komplizenschaft an der abscheulichen Tat, die in 348 Palästina ins Werk gesetzt wird. Sollte sich auch die amerikanische Regierung im letzten Augenblick vor diesem Abgrund zurückziehen, dann könnte man noch heute mit einer sichern Zukunft rechnen. Im Zeitpunkt, wo «Der große Plan der Anonymen« erscheint, wird diese Frage vielleicht schon endgültig entschieden sein. Diese zehn Jahre, in denen eine teuflische Macht auf dieser Erde beträchtlich an Einfluß gewonnen hat, waren für mich persönlich die glücklichsten meines Lebens; vielleicht eine unberechenbare Ironie eines Einzelschicksals. Während die Hoffnung schwand, daß der Zweite Weltkrieg die verpestete Luft dieses Jahrhunderts von Blut und Lügen wegfegen würde, wuchs mein persönliches Wohlbefinden. Ich persönlich hege also gegen diese Jahre durchaus keine schlechten Gefühle, da sie viel wohlwollender mit mir umgingen, als ich erwartet hatte. Darum gehören die Dinge, die ich als Fortsetzung von „Jahrmarkt des Wahnsinns“ geschrieben habe, nicht in den Bereich eines Menschen, der durch Schicksalsschläge mißtrauisch und nörglerisch geworden ist. Sie sind wirklich nur die aus reicher Erfahrung geschriebenen Kommentare eines gewissenhaften Reporters zu diesen außergewöhnlichen Jahren. Ich möchte noch ein Wort beifügen. Ich gehöre nicht zu den Alleswissern. Ich habe mich bemüht, bei der Darlegung der bewußt üblen Absichten, die ich hinter dem Chaos unserer Zeiten sehe, manche Tatsachen zu erwähnen, die schon ringsum bekannt sind. Ich habe mich auf sie gestützt und meine eigene Meinung dargeboten. Ich behaupte aber nicht, daß ich alles weiß oder daß ich unbedingt recht habe. Es gibt in diesen Fragen keine absolute Wahrheit; siehe, die tausend Farben, in denen der farblose Diamant aufleuchtet. Ich habe, so gut ich dies konnte, in das Geheimnis unserer Zeiten hineingeleuchtet und wenn ich meine Lösung biete, dann berufe ich mich auf folgende Worte, die von einem amerikanischen Schriftsteller, Henry Beston, stammen : «Zu den vielen Dingen, für die ich unendlich dankbar bin, 348 gehört die Tatsache, daß so vieles im Leben jedes menschliche Begreifen übersteigt. Die Phantasielosen und Gelangweilten können ruhig behaupten, daß sie eine Erklärung für alles besitzen, und ihre hölzernen, mit Formeln geladenen Gewehre auf jedes Wunder und jedes Geheimnis richten. Es ist ihnen, Gott sei Dank, bis jetzt nicht gelungen, mit ihren Holzgewehren auch nur den kleinsten Stern am Firmament zu verrücken. Gut, daß dem so ist, denn der menschliche Geist läuft Gefahr, vor lauter Erklärungen, die keine sind, zu sterben. Eine Welt ohne Wunder und eine Denkweise ohne Wunder wird zu einer phantasielosen Welt, und ohne Phantasie ist der Mensch eine arme und verkrüppelte Kreatur. Die Quellen der Religion, der Dichtung und der menschlichen Künste liegen alle in dieser Aufwallung von Wunder und Staunen. Laßt uns Gott danken, daß dies alles für immer aus unserer Reichweite entrückt, vor unserer Erde behütet, von unseren Griffen unberührt bleiben wird.» In der Meinung, daß ein öffentliches Wissen die beste Verteidigung gegen ein geheim vermitteltes Wissen darstellt, habe ich in diesem Buch einfach einige Nachrichten und einige persönliche Ansichten zum Besten gegeben. |